SP MUTTENZ

90 Jahre SP Muttenz

 

Am 3. November 2007 feierte die SP Muttenz mit einem internen Anlass ihr 90 Jahr-Jubiläum. Gemeinderat Hanspeter Ruesch fand im ersten Protokollbuch Bedenkenswertes aus den Anfängen der SP Muttenz.

Die ersten vier Jahre

Die SP Muttenz hat das Glück, das erste von Hand geschriebene Protokollbuch aus den Jahren 1917 – 1921 erhalten zu haben. Leider fehlt dann die Fortsetzung. Erst ab 1926 sind weitere Einträge vorhanden. Allerdings fehlen für die Jahre 1940 – 1970 wichtige Unterlagen. Anlässlich des 90 Jahr-Jubiläums soll aus Zeitgründen vorerst einmal über die Anfänge der SP Muttenz berichtet werden.

Zwei Gründungsversammlungen

Am 22. November 1917 trat die Sozialdemokratische Partei Muttenz im Gasthof zum Bären zu ihrer Gründungsversammlung zusammen. Weil das Referat von Parteifreund Vogel aus Pratteln über die Arbeiter-Internationale viel Zeit beanspruchte, stimmten die Anwesenden bloss über die Statuten ab. Eine Woche später ging die Vorstandswahl über die Bühne. Als Präsident wurde Ernst Beyeler gewählt, der bereits 1918 an der Grippe starb, als Vize amtete der spätere Landrat Ernst Honegger.

Anfänge in schwieriger Zeit

Die Gründung der SP Muttenz fiel in eine Zeit sozialer Spannungen. In Europa tobte der Erste Weltkrieg. Die Schweizer Soldaten standen an der Grenze. Die Militär-Notunterstützung konnte deren Verdienstausfall nicht decken. Eine Arbeitslosenversicherung existierte nicht. Zudem machte eine starke Teuerung Lebensmittel für Arbeiterfamilien fast unerschwinglich. Die Reallöhne für die Arbeiter/innen in der regionalen Industrie waren seit Kriegbeginn um bis zu 20 Prozent gesunken. Gleichzeitig nahmen Wucher und die Zahl der sogenannten „Kriegsgewinnler“ zu. Die Grippeepidemie von 1918 brachte weiteres Elend mit sich.

Den Nerv der Arbeitnehmerschaft getroffen

Neben der SP bestand zur Zeit ihrer Gründung eine weitere Vertretung der Lohnabhängigen auf dem Platz Muttenz. Der Grütliverein war damals im Gemeinderat vertreten. Für die Gemeindewahlen 1918 kandidierten die Sozialdemokraten darum nur für die Gemeindekommission und die Steuerkommission. Das Wahlziel scheint aber aufgrund des Majorzsystems verfehlt worden zu sein.

Vorerst drehten sich die Themen der jungen Partei um die alltäglichen Sorgen der Mitglieder: Einschränkung des Obsthandels zur besseren Eigenversorgung der lokalen Bevölkerung, Hilfe für grippebetroffene Familien, Abgabe von verbilligter Milch und anderer Lebensmittel. Offensichtlich traf die Partei damit den Nerv der Arbeiterschaft. Im ersten Jahr ihres Bestehens wuchs ihre Mitgliedschaft auf rund 100. Mit Jakob Leuenberger nahm 1919 – im Rahmen einer Ersatzwahl – der erste Muttenzer Sozialdemokrat Einsitz im Landrat.

Erfolg dank Proporz

Mit der Einführung des Gemeinde-Proporzes konnte die SP Muttenz mehr Gewicht auf der politischen Bühne gewinnen. In den Gemeindewahlen 1920 gelang es, mit Otto Schmid-Spänhauer, Gottfried Schwob-Meier und Gustav Honegger-Thommen drei Vertreter in den Gemeinderat zu delegieren.

Krise und Spaltung

Nach diesem Erfolgserlebnis belasteten die Sektion heftige interne Diskussionen um den Beitritt zur Moskau-dominierten Komintern (3. Internationale). Bekanntlich endete die Auseinandersetzung mit der Spaltung in die Sozialdemokratische und die kommunistische Partei. Auch in Muttenz fand eine Abstimmung zum Komintern-Beitritt und den dazu gestellten 23 Bedingungen statt. Von 152 Mitgliedern waren 85 anwesend. 30 stimmten für die Komintern, 58 dagegen. Das Protokollbuch endet mit Einträgen zum politischen Tagesgeschehen, was den Eindruck vermittelt, die SP Muttenz habe schnell diese schmerzliche Trennung verarbeitet.

Was bleibt von der Geschichte?

Die Anfänge der SP Muttenz zeigen, dass jede Zeitepoche ihre eigenen Herausforderungen zu bewältigen hat. 1917 ging es um genug Essen und ein Dach über dem kopf. Es ging um Schutz vor Wucher und Übervorteilung. Was den Schutz der Schwachen und den gerechten Ausgleich zur Bewahrung des sozialen Friedens betrifft, sind die Ziele auch heute noch gültig. Dazu gekommen ist der verantwortliche Umgang mit der Umwelt, der Kampf gegen die Aushöhlung der Sozialwerke und des Service Public. Werte wie Solidarität und das Bewusstsein, eine internationale Schicksalsgemeinschaft zu bilden, verbindet uns stark mit jener Pioniergeneration von 1917.

Ein Dank zum Schluss

Es waren wenige Wagemutige, die 1917 etwas begonnen haben, das bis heute nachwirkt. Ihnen und allen, die sich in den letzten 90 Jahren im Rahmen der SP für ein soziales und lebenswertes Muttenz eingesetzt haben, gehört heute unser Dank.